Starkes Übergewicht und die damit verbundenen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmte Krebsarten können die Lebenserwartung verringern. Die OECD hat die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von Adipositas in ihren Berichten wiederholt beschrieben; demnach hat in den vergangenen Jahren vor allem die Zahl der Menschen mit krankhafter Adipositas zugenommen.
Was bedeutet krankhafte Adipositas?
Als krankhafte (morbide) Adipositas wird ein starkes Übergewicht bezeichnet, das durch schwerwiegende Folgeerkrankungen die Lebenserwartung verkürzen kann. Betroffenen fällt es trotz Diät, Bewegung und psychologischer Unterstützung oft schwer, dauerhaft abzunehmen. Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Schlafapnoe und bestimmte Krebsarten gehören zu den möglichen gesundheitlichen Folgen.
Adipositas und Typ-2-Diabetes
Übermäßige Fetteinlagerungen im Körper stören das hormonelle Gleichgewicht, und die Zellen reagieren schlechter auf Insulin. Diese Insulinresistenz kann zu Typ-2-Diabetes führen. Nach Angaben der WHO ist ein Großteil der Typ-2-Diabetes-Fälle in Europa auf Adipositas zurückzuführen. Die wichtigste Ursache der Insulinresistenz sind Fetteinlagerungen, vor allem am Bauch. Liegt der Bauchumfang bei Frauen bei etwa 80-90 cm und bei Männern bei etwa 100 cm, steigt das Diabetesrisiko.
Adipositas und Herzerkrankungen
Adipositas kann Aufbau und Funktion des Herzens verändern. Zu den wichtigsten adipositasbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören:
- koronare Herzkrankheit,
- periphere arterielle Verschlusskrankheit,
- Venenschwäche (venöse Insuffizienz),
- Bluthochdruck,
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz),
- adipositasbedingte Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie),
- Herzrhythmusstörungen.
Die Menge an Bauchfett steht meist in direktem Zusammenhang mit der Fettmenge, die sich an inneren Organen wie Herz und Leber einlagert. Das begünstigt die Entstehung von Arteriosklerose. Untersuchungen zeigen, dass sich Fettzellen im Bauchraum von Fettzellen an anderen Körperstellen unterscheiden und die Innenwand der Blutgefäße schädigen können.
Studien zufolge ist auch wiederholtes Ab- und Zunehmen (Jo-Jo-Effekt) mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen verbunden, selbst bei Menschen mit Normalgewicht.
Adipositas und Schlaganfall
Adipositas ist bei Frauen wie Männern ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall. Übermäßiges Fettgewebe führt zu Entzündungsprozessen im Körper, die das Schlaganfallrisiko erhöhen können: Der Blutfluss in den Gefäßen wird behindert, und das Risiko für Blutgerinnsel steigt. Zwischen vermehrtem Fettgewebe und dem Schlaganfallrisiko besteht ein deutlicher Zusammenhang.
Beim ischämischen Schlaganfall verringert oder unterbricht ein Blutgerinnsel in einem Hirngefäß die Blutversorgung des Gehirns. Etwa 85 % aller Schlaganfälle gehören zu dieser Form.
Adipositas und Schlafapnoe
Bei Adipositas können Zäpfchen und Gaumen erschlaffen oder sich vergrößern, die Atemwege können sich verengen, und es kann Atemnot auftreten. Dadurch kann die Atmung im Schlaf zeitweise aussetzen: Man spricht von Schlafapnoe. Adipositas ist Ursache und Folge der Schlafapnoe zugleich. Wer nicht in den Tiefschlaf findet, schüttet weniger Wachstumshormon aus; der Stoffwechsel verlangsamt sich, und der Körper lagert mehr Fett ein. So entsteht ein Teufelskreis: Schlafmangel verstärkt den Appetit, und die Hormone, die das Essverhalten steuern, können aus dem Gleichgewicht geraten.
Adipositas und bestimmte Krebsarten
Mit zunehmendem Fettgewebe an Bauch und Hüften steigt auch das Krebsrisiko. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Adipositas und Brust-, Darm-, Speiseröhren-, Magen-, Nieren- und Gallenblasenkrebs. Bei Frauen ist vor allem nach den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht; dies wird auf höhere Östrogenspiegel zurückgeführt. Bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas wird Brustkrebs wegen des dichteren und größeren Brustgewebes zudem häufig erst in späteren Stadien erkannt.
Was Sie tun können
- Essgewohnheiten ändern: Professionelle Unterstützung ist hier hilfreich. Eine Ernährungsfachkraft kann ermitteln, was Ihr Körper braucht, und Sie auf dem Weg zu einem gesünderen Gewicht begleiten.
- In Bewegung bleiben: Ein erstes Ziel kann sein, etwa 10 % des Körpergewichts zu verlieren. Bewegen Sie sich täglich regelmäßig mindestens 30-45 Minuten.
- Medizinische Unterstützung nutzen: Manche Menschen mit Adipositas können mithilfe von Medikamenten abnehmen. Medikamente wirken jedoch nicht allein, sondern müssen durch Ernährung und Bewegung ergänzt werden.
- Operative Möglichkeiten prüfen: Wenn Sie trotz Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamenten nicht abnehmen, kann eine Adipositasoperation infrage kommen. Mehr dazu unter Adipositaschirurgie.



