Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, die mit zahlreichen Begleiterkrankungen einhergeht und die Kosten der Gesundheitsversorgung erhöht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Häufigkeit von Adipositas in den vergangenen Jahrzehnten weltweit stark zugenommen. Die Erkrankung kann die Lebenserwartung der Betroffenen verringern und belastet zugleich die Volkswirtschaften.
Kein Problem allein wohlhabender Länder
Lange galt Adipositas als Gesundheitsproblem von Ländern mit hohem Einkommen. Studien zufolge lebt heute jedoch ein großer Teil der Menschen mit Übergewicht und Adipositas in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Internationale Wirtschaftsinstitutionen, darunter die Weltbank, weisen diese Länder auf die rasch steigenden Zahlen und die zu erwartenden Folgekosten hin.
Belastung der Gesundheitssysteme
Auch die OECD hat sich in einem Bericht mit den wirtschaftlichen Folgen von Adipositas und dem Nutzen der Prävention befasst. Demnach entfällt in den Mitgliedsländern ein beträchtlicher Teil der Gesundheitsausgaben auf die Behandlung adipositasbedingter Erkrankungen, und Menschen mit Adipositas verursachen deutlich höhere Gesundheitskosten als Normalgewichtige. Übergewicht ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes verbunden.
Warum die Zahlen steigen
Mit wachsendem Wohlstand und steigendem Pro-Kopf-Einkommen nimmt häufig auch die Zahl der Menschen mit Adipositas zu. Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
- stark verarbeitete und zuckerreiche Lebensmittel,
- eine unausgewogene Ernährung,
- ein Alltag mit wenig körperlicher Bewegung,
- eingeschränkter Zugang zu frischem Obst und Gemüse.
Mangelernährung und Adipositas: zwei Seiten eines Problems
Eine in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass Mangelernährung und Adipositas ein gemeinsames globales Problem darstellen. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen steigt das Adipositasrisiko durch Fast Food und zuckerhaltige Getränke. Menschen in wohlhabenderen Verhältnissen bewegen sich dagegen oft zu wenig: Selbst kurze Wege werden mit dem Auto zurückgelegt, und dank technischer Hilfsmittel lassen sich viele Aufgaben ohne körperliche Anstrengung erledigen.
Auswirkungen auf Schule und Arbeit
Adipositas betrifft nicht nur die einzelne Person, sondern auch die Gesellschaft, weil sie die Lebensqualität in Schule und Beruf beeinträchtigt.
In der Schule
Untersuchungen zeigen, dass Kinder mit starkem Übergewicht im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen häufiger schlechtere schulische Leistungen haben. Mobbing wegen des Körpergewichts kann dazu beitragen, dass Kinder die Schule vorzeitig verlassen. Besonders Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren fehlen häufiger im Unterricht.
Im Berufsleben
Menschen mit adipositasbedingten chronischen Erkrankungen fallen aufgrund gesundheitlicher Beschwerden häufiger bei der Arbeit aus. Die Erkrankungen können zudem Leistungsfähigkeit und Produktivität verringern.
Mehr als ein individuelles Gesundheitsproblem
Adipositas ist damit nicht nur eine Frage der persönlichen Gesundheit. Ihre Behandlung kann sowohl den Betroffenen als auch der Gesellschaft und der Wirtschaft insgesamt zugutekommen. Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter Adipositaschirurgie.



