Operative Verfahren

Diabeteschirurgie (metabolische Chirurgie)

Operation bei Typ-2-Diabetes, die über Darmhormone wie GLP-1 und GIP die Ausschüttung und Wirkung von Insulin steigern soll.

BMI über 30 mit Typ-2-Diabetes

Überblick

Die Diabeteschirurgie, auch metabolische Chirurgie genannt, ist eine operative Behandlung des Typ-2-Diabetes, die durch Eingriffe an Magen und Dünndarm die Ausschüttung von Darmhormonen verstärken soll, welche die Insulinwirkung steigern. Seit Anfang 2016 sind solche operativen Verfahren Teil der Behandlungsempfehlungen.

Diabetes ist nicht nur ein erhöhter Blutzucker, sondern eine Stoffwechselerkrankung und ein ernstes Gesundheitsproblem. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen, von Erblindung und Amputationen bis zu Herzinfarkt und Nierenerkrankungen.

Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Es gibt zwei Formen: Typ-1-Diabetes tritt vor allem bei jüngeren Menschen auf und hat eine genetische Grundlage. Typ-2-Diabetes entwickelt sich im Erwachsenenalter und steht im Zusammenhang mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Rund 90 % der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes. Er wird mit verschiedenen Medikamenten behandelt; lässt sich der Blutzucker damit nicht ausreichend einstellen, wird Insulin gespritzt. Für diese Situation wurde die metabolische Chirurgie als weitere Behandlungsmöglichkeit in die Empfehlungen aufgenommen.

Wie wirkt die metabolische Chirurgie?

Bei Menschen, die wegen Adipositas operiert wurden, zeigte sich, dass sich neben dem Gewicht häufig auch der Diabetes besserte. Ein wichtiger Faktor ist die Verringerung des Körperfetts, einer der Hauptursachen des Typ-2-Diabetes.

Später rückten Eingriffe am Dünndarm in den Vordergrund, der für die Regulation des Insulins eine wichtige Rolle spielt. Hormone wie GLP-1, das im letzten Abschnitt des Dünndarms gebildet wird, und GIP aus dem oberen Dünndarm steigern die Ausschüttung und Wirkung von Insulin. Zugleich verzögern sie die Magenentleerung und fördern so das Sättigungsgefühl. Auf diesem Prinzip beruhen Operationen, die nicht allein über die Gewichtsabnahme wirken, sondern gezielt die Ausschüttung dieser Darmhormone verstärken sollen. Sie werden als metabolische Chirurgie bezeichnet.

Für wen kommt die Diabeteschirurgie infrage?

Die in die Leitlinien aufgenommene operative Behandlung kommt vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes infrage, insbesondere wenn sich der Blutzucker mit Medikamenten und Insulin nicht ausreichend einstellen lässt und immer mehr Insulin und Medikamente benötigt werden. Infrage kommt sie auch bei einem BMI über 30 mit Typ-2-Diabetes oder schweren Stoffwechselproblemen.

Wahl des Verfahrens

Infrage kommen unter anderem der Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie), der Magenbypass, der Duodenal Switch, SADI-S, die Partition-Technik und die Ileum-Interposition. Das Verfahren wird gemeinsam von Patientin bzw. Patient und Chirurgin bzw. Chirurg festgelegt. Gewählt wird ein wirksames Verfahren, das die natürlichen Körperfunktionen möglichst wenig verändert.

Dabei ist der Grad der Adipositas wichtig. Nach dem BMI (Body-Mass-Index) werden drei Grade unterschieden:

Grad BMI
Adipositas Grad 1 30-35 kg/m²
Adipositas Grad 2 35-40 kg/m²
Adipositas Grad 3 40 kg/m² und mehr

Ist der Diabetes allein auf das Übergewicht zurückzuführen, wie häufig bei Adipositas Grad 3, können ein Schlauchmagen oder ähnliche Verfahren ausreichen. Bei Adipositas Grad 1 und 2 werden eher Verfahren wie die Partition-Technik oder SADI-S in Betracht gezogen.

Risiken

Die Risiken der Diabeteschirurgie entsprechen im Wesentlichen denen des jeweils gewählten Verfahrens der Adipositaschirurgie. Wie bei jeder Bauchoperation in Vollnarkose können Blutungen, Wundinfektionen, Blutgerinnsel in den Beinen und Reaktionen auf die Narkose auftreten. Bei Verfahren, bei denen Darm neu verbunden wird, kann es an der Verbindungsstelle zu einer Undichtigkeit kommen. Werden Teile des Dünndarms umgangen, kann langfristig ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen entstehen, der eine dauerhafte Ergänzung erfordert. Welche Risiken für das bei Ihnen geplante Verfahren gelten, wird vor der Operation ausführlich mit Ihnen besprochen.

Vorbereitung

Vor der Operation wird sorgfältig geprüft, ob der Eingriff für Sie geeignet ist und welches Verfahren infrage kommt. Dazu gehören eine ausführliche ärztliche Untersuchung, gegebenenfalls eine Ernährungsberatung und je nach Gesundheitszustand eine Vorstellung in der Endokrinologie, Kardiologie oder Pneumologie. Nach der Aufklärung über Nutzen und Risiken geben Sie Ihre schriftliche Einwilligung.

Alle Medikamente, insbesondere Ihre blutzuckersenkenden Mittel und Insulin, werden vor dem Eingriff ärztlich überprüft; blutverdünnende und entzündungshemmende Mittel werden unter Umständen vorübergehend abgesetzt. Ab Mitternacht vor der Operation essen und trinken Sie nichts mehr, und Sie sollten auf Alkohol verzichten und mit dem Rauchen aufhören.

Ablauf

Am Eingriffstag

Operationen zur Behandlung des Diabetes werden laparoskopisch („Schlüssellochtechnik“) in Vollnarkose durchgeführt; auf eine offene Operation wird nur zurückgegriffen, wenn es notwendig ist. Die laparoskopische Technik ist mit weniger Schmerzen nach der Operation, einer schnelleren Rückkehr in den Beruf und kleineren Narben verbunden.

Nach dem Eingriff

Ein Krankenhausaufenthalt von 3-4 Tagen kann erforderlich sein. Die Ernährung wird danach stufenweise aufgebaut; wie das beim Schlauchmagen und beim Magenbypass abläuft, beschreiben die jeweiligen Seiten. Da sich der Blutzucker nach dem Eingriff verändern kann, werden Ihre Diabetesmedikamente und Ihr Insulin ärztlich angepasst.

Nachsorge

Wichtig ist, dass der Eingriff in einem Zentrum erfolgt, das über ein Adipositaszentrum verfügt und eine endokrinologische Nachbetreuung gewährleisten kann. Nach der Operation werden Ihre Blutzuckerwerte weiter beobachtet, und die Diabetesbehandlung wird bei Bedarf angepasst. Routinemäßig ist nach 6 Monaten eine Blutkontrolle vorgesehen.

Wann sollten Sie sich ärztlich melden?

Bei folgenden Anzeichen nach der Operation ist eine umgehende ärztliche Abklärung wichtig:

  • anhaltendes Fieber über 39 °C
  • Blutungen
  • zunehmende Schwellung oder zunehmende Schmerzen im Bauch
  • anhaltende Übelkeit oder anhaltendes Erbrechen
  • Schüttelfrost
  • anhaltender Husten oder Atemnot
  • Flüssigkeitsaustritt aus einem der Schnitte
  • Schwellung der Wade oder Druckempfindlichkeit im Bein

Häufige Fragen

Was ist Diabeteschirurgie?

Die Diabeteschirurgie oder metabolische Chirurgie ist eine operative Behandlung des Typ-2-Diabetes. Sie soll über Eingriffe an Magen und Dünndarm die Ausschüttung von Darmhormonen wie GLP-1 und GIP verstärken, die die Insulinwirkung steigern.

Für wen kommt eine Diabetesoperation infrage?

Vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes, deren Blutzucker sich mit Medikamenten und Insulin nicht ausreichend einstellen lässt und die immer mehr davon benötigen.

Welche Verfahren werden eingesetzt?

Unter anderem Schlauchmagen, Magenbypass, Duodenal Switch, SADI-S, die Partition-Technik und die Ileum-Interposition. Die Wahl richtet sich unter anderem nach dem Grad der Adipositas.

Kommt die Diabeteschirurgie auch bei niedrigerem BMI infrage?

Bei Adipositas Grad 1 und 2 (BMI 30-40 kg/m²) werden eher Verfahren wie die Partition-Technik oder SADI-S in Betracht gezogen.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Ein Krankenhausaufenthalt von 3-4 Tagen kann erforderlich sein.

Möchten Sie darüber sprechen?

Welche Methode für Sie infrage kommt, wird nach Untersuchung und Befunden gemeinsam festgelegt. Sie können mit der Ersteinschätzung beginnen oder direkt anrufen.

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