Eine Adipositasoperation verändert Lebens- und Essgewohnheiten grundlegend. Damit sich der Körper auf die neue Situation einstellen kann und mögliche Komplikationen der Operation vermieden werden, gelten vor dem Eingriff einige Regeln. Die wichtigste davon ist die sogenannte OP-Diät, die Ihnen hilft, die Kalorienzufuhr zu verringern.
Warum eine Diät vor der Operation?
Für Menschen, die bereits viele Diäten hinter sich haben, klingt das Wort „Diät“ oft wenig verlockend. Die Diät vor der Operation, die in der Regel etwa zwei Wochen vor dem Eingriff beginnt, hat jedoch ein anderes Ziel und einen anderen Aufbau. Sie können sie auch als Probelauf für eine gesündere Lebensweise betrachten. Manche Patientinnen und Patienten neigen in dieser Zeit dazu, in der Annahme „Ich werde ja ohnehin operiert“ mehr zu essen. Um das zu vermeiden, ist die Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft wichtig.
Wie ist die Diät aufgebaut?
Die Diät wird individuell angepasst. In der Regel ist sie so gestaltet, dass Sie etwa 100 g Kohlenhydrate pro Tag zu sich nehmen. Sie ist fettarm und eiweißreich, die Energiezufuhr liegt bei etwa 800-1000 kcal pro Tag. Neben Kohlenhydraten und Eiweiß gehören auch Gemüse, Obst und Milchprodukte dazu. Eiweiß unterstützt und schützt das Muskelgewebe. So kann der Körper zur Energiegewinnung Fett statt Muskulatur abbauen.
Fettleber und Bauchfett
Bei ausgeprägter Adipositas vergrößert sich die Leber, weil sie überschüssiges Fett und Zucker speichert. Eine Leberverfettung liegt bei fast allen Menschen mit Adipositas in unterschiedlichem Ausmaß vor. Die Diät hilft, die Leber zu verkleinern und zu verhindern, dass sie auf den Magen drückt. Auch das Fettgewebe im Bauchraum ist bei Adipositas vermehrt. Das kann den laparoskopischen Eingriff („Schlüssellochtechnik“) erschweren, der für Patient und Chirurg verschiedene Vorteile bietet.
Durch die OP-Diät wird die Leber gesünder, das Gewicht sinkt, und adipositasbedingte Begleiterkrankungen lassen sich besser kontrollieren. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte können das Operationsrisiko erhöhen.
Fünf Gründe für die Diät vor der Operation
- Gewicht reduzieren: Schon vor dem Eingriff Gewicht zu verlieren, ist ein Ziel der Vorbereitung.
- Muskelmasse erhalten: Bei schneller Gewichtsabnahme kann auch Muskulatur rasch abgebaut werden. Deshalb ist eine ausreichende Eiweißzufuhr der wichtigste Baustein der Diät. Ihre Ernährungsfachkraft legt in Ihrem persönlichen Ernährungsplan fest, wie viel Eiweiß Sie benötigen.
- Die Leber verkleinern: Mit zunehmendem Gewicht wird die Leber größer und verfettet. Der Magen liegt unterhalb der Leber. Ist die Leber stark vergrößert, kann der Zugang zum Magen für den Chirurgen erschwert sein.
- Bewusstsein schaffen: Die Ernährungsumstellung vor der Operation zeigt Ihnen, wie Sie sich nach dem Eingriff ernähren werden. Dieses Bewusstsein hilft, das Gewicht nach der Operation zu halten. Ein Teil der Patientinnen und Patienten nimmt nach einer bariatrischen Operation wieder zu; fehlt das Bewusstsein für das eigene Essverhalten, fallen Disziplin und Selbstkontrolle schwerer.
- Sich umgewöhnen: Das Verlangen nach Zuckerhaltigem entsteht vor allem, weil der Körper regelmäßig damit versorgt wird. Wenn Sie Kohlenhydrate reduzieren, lässt das Verlangen mit der Zeit nach. Menschen können sich gut an neue Gewohnheiten anpassen.
Ein leerer Magen für die Operation
Die Diät vor der Operation trägt außerdem dazu bei, dass der Magen während des Eingriffs „sauber“ ist. Feste Speisereste im Magen erhöhen das Komplikationsrisiko. Sie können zudem die Zahl der Bakterien im Magen erhöhen und so zu Infektionen führen.
Praktische Hinweise
- Verzichten Sie möglichst auf gesättigte Fette, etwa aus Vollfett-Milchprodukten, Fleisch und frittierten Speisen.
- Meiden Sie kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Zucker, Nudeln, Kartoffeln und Brot.
- Verteilen Sie Speisen und Getränke gleichmäßig auf die Mahlzeiten des Tages.
- Trinken Sie täglich mindestens 2 Liter Wasser. Milch, Saft, Tee und Kaffee ersetzen kein Wasser. Berücksichtigen Sie bei der Kalorienberechnung auch alle Getränke außer Wasser.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Rauchen.
- Nehmen Sie täglich Vitamin- und Mineralstoffpräparate ein.
- Bewegen Sie sich regelmäßig.



