Adipositas ist eine Erkrankung, die ohne Behandlung lebenslang bestehen bleibt und bei der weder Diät noch Medikamente oder Operation allein Wunder bewirken. Eine bariatrische Operation wird durchgeführt, wenn Adipositas und ihre Begleiterkrankungen die Gesundheit ernsthaft gefährden. Entscheidend für den weiteren Verlauf sind eine gute Betreuung nach dem Eingriff und eine gesunde Lebensweise.
Nach der Operation sind in fast allen Lebensbereichen Anpassungen nötig, von den Essgewohnheiten über den Schlafrhythmus und den Umgang mit Stress bis zur Einnahme von Medikamenten. Diese Anpassungen dienen dazu, Ihre Gesundheit zu erhalten. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
1. Feste und flüssige Nahrung
Nach dem Eingriff erstellt eine Ernährungsfachkraft einen persönlichen Ernährungsplan. Er verläuft in Stufen: flüssig, püriert, weich und schließlich normale Kost. Benötigt werden unter anderem Vitamin B12, Vitamin D sowie Mineralstoffe wie Kalzium und Eisen; diese Präparate müssen unter Umständen lebenslang eingenommen werden.
Eiweißreiche Lebensmittel sind wichtig. Je nach Person werden täglich etwa 60-80 g Eiweiß empfohlen. Wird zu wenig Eiweiß aufgenommen, holt sich der Körper den Bedarf aus der Muskulatur, was schwächen kann. Zucker- und kohlenhydratreiche Lebensmittel sollten begrenzt werden.
Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken, auch ohne Durstgefühl: etwa 1,5-2 Liter Wasser pro Tag. Kalorienreiche, kohlensäurehaltige und koffeinhaltige Getränke sollten Sie in dieser Zeit meiden.
2. Medikamente
Eine bariatrische Operation kann Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte günstig beeinflussen; dennoch können weiterhin Medikamente in verringerter Dosis nötig sein. Je nach Operationsverfahren werden Medikamente nach dem Eingriff unter Umständen anders aufgenommen. Große Tabletten und Kapseln sind nicht empfehlenswert; viele Wirkstoffe gibt es auch in flüssiger, kaubarer oder injizierbarer Form. Besonders nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) sollten gemieden werden, da sie den Magen schädigen und Geschwüre verursachen können.
3. Bewegung
Körperliche Aktivität ist für die langfristige Gewichtskontrolle sehr wichtig. Ein individuelles Bewegungsprogramm hilft, mehr Kalorien zu verbrauchen. Geeignet sind etwa 150 Minuten pro Woche moderate Aktivität wie Gehen oder Schwimmen. Mit Spaziergängen kann oft direkt nach der Operation begonnen werden. Für Sportarten, die die Bauchmuskulatur beanspruchen, ist es anfangs noch zu früh.
4. Seelische Gesundheit
Nach der Operation verändern sich Lebensweise und Aussehen, und das wirkt sich auch psychisch aus. Partnerschaften und Beziehungen können sich verändern, ebenso das Gefüge am Arbeitsplatz. Um mit diesen Veränderungen umzugehen, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Essgewohnheiten werden von Gefühlen und Stress beeinflusst. Wer isst, ohne hungrig zu sein, etwa aus Kummer, Einsamkeit oder Stress, braucht möglicherweise Hilfe.
5. Die Plateauphase
Genetische, stoffwechselbedingte, umweltbedingte und lebensstilbedingte Faktoren, die zu Adipositas führen, bilden eine Art „Sollwert“ des Körpers, ähnlich einem Thermostat, der auf eine hohe Temperatur eingestellt ist. Der Körper kann auf Veränderungen dieses Gleichgewichts reagieren: Nach einer Phase der Gewichtsabnahme folgt oft ein Stillstand. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, denn diese Plateauphase ist ein erwartbarer Teil des Weges.
6. Schlaf und Stress
Eine gute Schlafhygiene spielt beim Abnehmen eine wichtige Rolle. Zu festen Zeiten schlafen zu gehen und aufzustehen und ausreichend erholsam zu schlafen, gehört dazu. Schlafmangel begünstigt bekanntermaßen eine Gewichtszunahme. Verzichten Sie abends auf Koffein, bewegen Sie sich eher früh am Tag und sorgen Sie für ein ruhiges, dunkles Schlafzimmer.
Auch der Umgang mit Stress ist wichtig. Anhaltender Stress kann zu ungünstigen Entscheidungen führen, die das Abnehmen erschweren. Regelmäßige Bewegung, beruhigende Gewohnheiten wie Meditation oder Yoga und stabile Beziehungen helfen, mit Stress umzugehen. Auch Selbsthilfegruppen können unterstützen.
7. Rauchen
Wer sich für eine Adipositasoperation entscheidet, sollte sofort mit dem Rauchen aufhören. Alle Tabakprodukte verringern die Durchblutung von Geweben und Organen und verzögern die Heilung. Um das Risiko für Blutgerinnsel und Lungenentzündung zu senken, sollte das Rauchen sechs Wochen vor der Operation beendet werden. Viele Ärztinnen und Ärzte verschieben den Eingriff, bis die Patientin oder der Patient rauchfrei ist.
8. Alkohol
Schon in der Vorbereitung auf die Operation sollte auf Alkohol verzichtet werden. Nach der Operation wird von Alkohol abgeraten: Er ist sehr kalorienreich und liefert keine Nährstoffe. Schlauchmagen und Magenbypass können die Aufnahme von Alkohol verändern; Alkohol kann schneller aufgenommen werden und stärker wirken. Bei manchen Patientinnen und Patienten nimmt der Alkoholkonsum zu, und es kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Aus all diesen Gründen wird empfohlen, nach einer bariatrischen Operation auf Alkohol zu verzichten.
9. Schwangerschaft
In den ersten 12-18 Monaten nach der Operation sollte eine Schwangerschaft möglichst vermieden werden. Diese Zeit ist nötig, um ausreichend Gewicht zu verlieren und es zu stabilisieren. Kurz nach der Operation kann die Fruchtbarkeit zunehmen, daher ist Vorsicht geboten. Die Antibabypille wirkt bei Frauen mit Adipositas und während der Gewichtsabnahme möglicherweise weniger zuverlässig. Tritt eine Schwangerschaft ein, sollten Sie unbedingt Ihr Operationsteam informieren, da die Ernährung eng begleitet und auf Vitaminmängel geprüft werden muss.
Grundsätzlich ist eine Schwangerschaft nach einer Operation zur Gewichtsreduktion für Mutter und Kind sicher möglich. Studien zeigen, dass das Risiko für schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes sinkt.
10. Kontrolle nach 6 Monaten
Nach der Operation ist eine routinemäßige Blutkontrolle nach 6 Monaten vorgesehen; dabei werden die Vitamin- und Eiweißwerte überprüft. Es ist wichtig, ein Team zu haben, an das Sie sich bei neuen Beschwerden oder Sorgen wenden können. Unterstützungsprogramme bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen.

