Überblick
Der Magenbypass (Roux-en-Y-Magenbypass) ist eine Operation der Adipositaschirurgie, bei der der Magen in einen kleinen Beutel (Pouch) umgewandelt und direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Ziel des Eingriffs ist es, sowohl die Nahrungsmenge als auch die Menge an Fett und Kalorien zu verringern, die der Körper aufnimmt.
Aus dem oberen Teil des Magens wird dazu ein kleiner, etwa walnussgroßer Pouch gebildet. Anschließend wird der Dünndarm durchtrennt und ein Abschnitt direkt an diesen Pouch angenäht; die Verbindung hat die Form eines „Y“, daher der Name Roux-en-Y. Die Nahrung gelangt so zuerst in den Pouch und dann unmittelbar in den Dünndarm. Da sie den Zwölffingerdarm nicht mehr passiert, wird ein Teil davon nicht aufgenommen. Diese veränderte Aufnahme ist auch der Grund, warum nach dem Eingriff dauerhaft Vitamine und Mineralstoffe ergänzt werden müssen. Bei der Schlauchmagen-OP wird der Magen dagegen nur verkleinert, der Dünndarm bleibt unverändert.
Für wen kommt ein Magenbypass infrage?
Ein Magenbypass wird Menschen mit Übergewicht oder Adipositas empfohlen, die trotz Ernährungsumstellung und Bewegung nicht ausreichend abnehmen und gesundheitliche Probleme haben. Sie können infrage kommen, wenn
- Ihr BMI (Body-Mass-Index) 40 kg/m² oder höher ist oder
- Ihr BMI zwischen 35 und 40 kg/m² liegt und Sie eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung haben, etwa Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder eine schwere Schlafapnoe, oder
- Ihr BMI über 30 kg/m² liegt und Sie einen Typ-2-Diabetes oder schwere Stoffwechselprobleme haben.
Ob der Eingriff für Sie geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach einer umfassenden Voruntersuchung. Ein Magenbypass kann das Risiko für gewichtsbedingte Erkrankungen senken. Dazu gehören:
- Refluxkrankheit (GERD)
- Herzerkrankungen
- Bluthochdruck
- erhöhte Cholesterinwerte
- Schlafapnoe
- Typ-2-Diabetes
- Schlaganfall
- Unfruchtbarkeit
Wie Operationen gezielt zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, erklärt die Seite zur Diabeteschirurgie.
Risiken
Im Vergleich zu anderen magenverkleinernden Operationen ist der Magenbypass technisch aufwendiger, weil neben dem Magen auch der Dünndarm neu verbunden wird. Wie bei jeder größeren Bauchoperation können Blutungen, Wundinfektionen, Blutgerinnsel in den Beinen und Reaktionen auf die Narkose auftreten. Speziell beim Magenbypass kann es zu einer Undichtigkeit an der Stelle kommen, an der der Darm neu verbunden wurde, oder zu einem Geschwür an der Verbindungsstelle (Marginalulkus).
- Langfristig kann es zu einem Mangel an Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Folsäure kommen. Deshalb ist eine lebenslange Ergänzung mit Vitaminen und Mineralstoffen erforderlich.
- Es kann ein Dumping-Syndrom auftreten: Nach dem Essen, vor allem nach sehr zuckerhaltigen Speisen und Getränken, kommt es dann zu Unwohlsein, Übelkeit und Kopfschmerzen, mitunter auch zu Bauchkrämpfen, Schwitzen und Durchfall. Wer stark zuckerhaltige Lebensmittel meidet, kann diesen Beschwerden vorbeugen.
Vorbereitung
Vor einem Magenbypass wird sorgfältig geklärt, ob das Verfahren für Sie geeignet ist. Zur Vorbereitung gehören in der Regel:
- ausführliche ärztliche Untersuchung, um zu klären, ob der Eingriff für Sie geeignet ist
- gegebenenfalls weitere diagnostische Untersuchungen, einschließlich einer Ernährungsberatung
- gegebenenfalls eine psychologische Untersuchung, um einzuschätzen, wie gut Sie sich auf die Veränderungen nach der Operation einstellen können
- je nach Gesundheitszustand eine Vorstellung bei Fachärztinnen oder Fachärzten der Kardiologie, Pneumologie oder Endokrinologie
- nach Besprechung der möglichen Risiken und des Nutzens Ihre schriftliche Einwilligung
Ihre Medikamente werden vor dem Eingriff ärztlich überprüft; blutverdünnende und entzündungshemmende Mittel werden unter Umständen vorübergehend abgesetzt. Ab Mitternacht vor der Operation essen und trinken Sie nichts mehr. Hören Sie mit dem Rauchen auf, verzichten Sie auf Alkohol und organisieren Sie Unterstützung für die erste Zeit zu Hause.
Ablauf
Am Eingriffstag
Der Magenbypass erfordert einen stationären Aufenthalt von in der Regel 3-5 Tagen. Die Operation erfolgt laparoskopisch („Schlüssellochtechnik“) unter Vollnarkose: Über kleine Schnitte in der Bauchdecke werden eine Kamera und feine Instrumente eingeführt, und der Magen wird erreicht, ohne dass ein großer Bauchschnitt nötig ist. Die Chirurgin oder der Chirurg verfolgt den Eingriff vergrößert auf einem Monitor.
Nach dem Eingriff
Nach der Operation werden Sie im Aufwachraum betreut und anschließend auf Ihr Zimmer gebracht. Frühes Aufstehen und Atemübungen gehören zur Behandlung, bei Bedarf erhalten Sie Schmerzmittel. Noch im Krankenhaus beginnt die erste Stufe des Kostaufbaus.
Nachsorge
Die Ernährung nach der Operation wird in mehreren Stufen aufgebaut. Wie lange jede Stufe dauert und was Sie jeweils essen dürfen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Dabei lernen Sie auch, Ihre Portionen zu kontrollieren und sich langfristig richtig zu ernähren.
- Klare Flüssigkeiten: In den ersten Tagen trinken Sie jeweils nur wenige Schlucke klarer Flüssigkeit. So kann der Magen heilen, ohne durch Nahrung gedehnt zu werden.
- Pürierte Kost: Sobald Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für angemessen hält, folgt die zweite Stufe. Viele Lebensmittel können dann püriert verzehrt werden. Scharfe Gewürze können Beschwerden verursachen und sollten ganz gemieden werden. Verzichten Sie auf Obst mit vielen Kernen wie Erdbeeren oder Kiwi sowie auf sehr faserreiche Lebensmittel wie Brokkoli oder Blumenkohl, die sich nicht ausreichend pürieren lassen.
- Weiche Kost: Nach einigen Wochen kommen weiche, leicht zu kauende Lebensmittel hinzu.
- Feste Nahrung: Etwa zwei Monate nach der Operation wird wieder feste Nahrung eingeführt. Die Speisen sollten in kleine Stücke geschnitten werden. Größere Mengen können zu einer Blockade führen, die Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen verursacht.
Die Ergänzung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig und wird lebenslang fortgesetzt. Routinemäßig ist nach 6 Monaten eine Blutkontrolle vorgesehen, damit ein möglicher Mangel früh erkannt wird.
Wann sollten Sie sich ärztlich melden?
Bei folgenden Anzeichen nach der Operation ist eine umgehende ärztliche Abklärung wichtig:
- anhaltendes Fieber über 39 °C
- Blutungen
- zunehmende Schwellung oder zunehmende Schmerzen im Bauch
- anhaltende Übelkeit oder anhaltendes Erbrechen
- Schüttelfrost
- anhaltender Husten oder Atemnot
- Flüssigkeitsaustritt aus einem der Schnitte
- Schwellung der Wade oder Druckempfindlichkeit im Bein